

Lachende Menschen mit bunten Festival-Bändchen, Preisverleihungen, Pressewand mit Fotografen, emotionale Open-Mic-Sessions im Community-Loft und mittendrin tiefe, ehrliche Gespräche über eine der schwersten Diagnosen überhaupt: Am 19. und 20. Juni 2026 verwandelte sich die STATION Berlin für die siebte YES!CON in das lebendigste Mutmach-Festival Deutschlands.
Die YES!CON bricht mit diesem Klischee und setzt auf echten Festivalcharakter in einer aufgeschlossenen Atmosphäre. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die YES!CON zur größten Krebs-Convention Deutschlands entwickelt und ist weit mehr als eine klassische Fachveranstaltung. Hier kommen Menschen zusammen, die selbst von Krebs betroffen sind, aber auch Angehörige, medizinische ExpertInnen, Organisationen, Selbsthilfegruppen und engagierte UnterstützerInnen.
Für viele Betroffene bedeutet die YES!CON vor allem eines: sich verstanden, gesehen und nicht alleine zu fühlen. In einer Atmosphäre, die durch ihre selbstverständliche Festlichkeit Normalität vermittelt, fernab von weißen Klinikwänden und sterilen Arztpraxen. Und trotzdem besteht hier die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, dieselbe Krebsart haben oder einen vergleichbaren Weg gehen müssen. Sehr schnell entwickeln sich hier Gespräche, die weit über medizinische Themen hinausgehen und schaffen persönliche, ehrliche und tiefgehende Begegnungen. Dieser wertschätzende Austausch auf Augenhöhe schafft Verständnis, Mut und neue Perspektiven.
BesucherInnen konnten beim Musikauftritt von Philipp Dittberner schwelgen, mit einer Party den ersten Abend ausklingen lassen oder moderierten Diskussionsrunden unter hochqualifizierten Fachkräften, Betroffenen und Angehörigen beisitzen und Fragen einbringen. Neben ausgewählten Vorträgen und diversen interaktiven Mach-Mit-Workshops wurde zudem auf einer offenen Bühne von der Community für die Community, das persönliche Erleben mit Krebs künstlerisch geteilt.
Hier zeigte sich welche Kraft darin liegt, die innere Realität der Erkrankung ungeschönt anzunehmen, Schmerz und Erfahrungen in kunstvolle Formen zu übersetzen und sich trotz des Grauens ganz auf das Leben einzulassen.
Auf all diesen Ebenen schaffte es die YES!CON, das Tabu um Themen rund um den Krebs aufzubrechen und ist für Viele von uns ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Hoffnung.
Doch so schön die positive Energie und die Bässe aus den Hallen auch waren: Gerade in diesem bunten Treiben wird vielen BesucherInnen oft erst richtig bewusst, wie schwer die eigene Last der Diagnose wiegt.
Genau hier ist unsere Präsenz als Hirntumor Selbsthilfe Verein so wichtig, um gemeinsam mit anderen Organisationen und Initiativen für die eigene Erkrankung sichtbar zu werden, und dabei einen sicheren Ankerplatz für alle zu bieten, die an diesem Wochenende gezielte Antworten und Halt suchten.
Zu unseren BesucherInnen gehörten Betroffene und Angehörige, aber auch das vor Ort vertretene Fachpersonal und SpezialistInnen, die sich hier außerhalb des medizinischen Rahmens Zeit nahmen, um mit Menschen zu sprechen, die sonst als PatientInnen zu ihnen kommen.
Trotz der sommerlichen Hitze in den Hallen war unser Stand durchgehend belagert. Dass unser Team das Wochenende mit so einer großartigen Dynamik gerockt hat, lag vor allem an unserer bunten Mischung aus unterschiedlichen Charakteren. So halfen wir uns nicht nur dabei, uns bei den hohen Temperaturen lückenlos abzuwechseln, sondern für jeden Gast genau die richtige Ansprache zu finden. Weil viele von uns die Erkrankung als Betroffene oder Angehörige aus dem eigenen Leben kennen, war das gegenseitige Verständnis ohnehin ab Sekunde eins da.
Das Vertrauen, das uns an diesen Tagen geschenkt wurde, hat uns zutiefst berührt. Wir durften miteinander lachen, weinen und vor allem: einander zuhören.
Die Fragen und Sorgen, die Betroffene und Angehörige an unseren Stand mitbrachten, haben uns vor allem eines bestätigt: Wie unersetzlich der Austausch ist, wenn man mit ähnlichen Schicksalen konfrontiert ist.
Natürlich geben wir als Selbsthilfe keine medizinischen Fachauskünfte, werten keine MRT-Bilder aus und ersetzen keinen Arztbesuch, dafür ist das medizinische Fachpersonal da. Unsere Stärke liegt im Teilen individueller Erfahrungen und unseres gelebten Alltagswissens und zwar nicht nur Informationen, sondern eine ganz bestimmte Form von Lebensmut und Resilienz.
Am Stand konnten die Menschen sehen: Da sitzen Personen, die denselben tiefen Schmerz und die Urangst kennen und die heute trotzdem lachen, im Leben stehen und Stärke ausstrahlen. Diese erlernte Widerstandskraft, Zuversicht und Gelassenheit im Umgang mit der Ungewissheit kann man in keinem Lehrbuch nachlesen, nur von Mensch zu Mensch weitergeben und durch Gemeinschaft aufbauen.
Viele frisch Diagnostizierte kamen mit einer großen inneren Überforderung zu uns. Sie suchten nach Orientierung, was auf sie zukommt und worauf sie als Nächstes achten sollten. Diesen emotionalen Ausnahmezustand kennen wir aus eigener Erfahrung. Wir wissen auch, wie es sich anfühlt, wenn im stressigen Klinikalltag trotz aller Mühen die Zeit für die eigenen Ängste fehlt oder man vor dem nächsten großen Kontrolltermin kaum schlafen kann. Der Wunsch nach Mut machenden Beispielen aus der Praxis war groß. Viele suchten einfach den Austausch mit jemandem, der den Weg schon gegangen ist und einen auf das vorbereiten kann, was kommt – ehrlich ungeschönt, Mut machend oder einfach mit wegweisenden Tipps.
Wer wie wir, diese Hürden selbst erlebt hat, kann oft am einfühlsamsten, praktische Erfahrungen mit auf den Weg geben: Wie man sich zum Beispiel auf ein schwieriges Arztgespräch vorbereitet, eine Begleitperson mitnimmt oder sich eigenständig in offiziellen Registern über klinische Studien schlau macht, um das Thema beim nächsten Mal gezielt beim eigenen Onkologenteam anzusprechen.
Die Rückmeldungen der Menschen zeigten uns immer wieder, wie viel das wert ist. Allein das Gefühl, aufmerksam und vorurteilsfrei auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden, bringt vielen von uns schon eine enorme, spürbare Erleichterung.
Genau aus diesem Grund treten wir als Verein gemeinsam mit verschiedenen Selbsthilfegruppen deutschlandweit auf. So können wir nicht nur auf dieser Veranstaltung für Ratsuchende direkt den Kontakt zu einer regionalen Selbsthilfegruppe und ihrer Leitung in eigener Wohnortnähe herstellen.
Dass wir durch diese intensiven Begegnungen auf der YES!CON auch neue Mitglieder und UnterstützerInnen in unserem Verein willkommen heißen dürfen, zeigt uns, wie viel Kraft in diesem direkten Draht von Mensch zu Mensch steckt.
Ein großer Pluspunkt des ungezwungenen Festivalcharakters der YES!CON war der direkte Draht zu medizinischen Fachpersonen. ÄrztInnen, Forschende und weitere SpezialistInnen der Onkologie waren nicht nur auf den Podien zu sehen, sondern nutzten die lockere Atmosphäre ganz bewusst für persönliche Gespräche außerhalb des Klinikalltags. Einige MedizinerInnen besuchten unseren Stand, um die Perspektive der PatientInnen und Angehörigen noch besser zu verstehen. Für medizinische Zentren bot sich hier die wertvolle Chance, Menschen hinter den Krankengeschichten in einem ganz anderen, nahbaren Kontext kennenzulernen so wie die Arbeit unserer Selbsthilfe.
Bei Hirntumoren stoßen allgemeine Krebshilfen oft an ihre Grenzen.
Neurologische und existenzielle Fragen der Betroffenen und in ihrem Umfeld sind hochspezifisch und sehr individuell. Damit einhergehende Zukunftsperspektiven, Wünsche und Emotionen teilweise schwer greifbar oder gar ambivalent.
Deshalb ist gerade für Erkrankungen wie Hirntumoren die Sichtbarkeit entscheidend. Weil unsere Gruppe im Vergleich zu anderen Krebsarten kleiner ist, werden unsere Anliegen in der Gesundheitspolitik oft seltener wahrgenommen.
Ein Format wie die YES!CON gab es in Deutschland lange Zeit nicht – doch die Veranstaltung entwickelt sich kontinuierlich weiter und hat sich zu einem festen, wichtigen Bestandteil der Krebs-Community etabliert.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Information, sondern zunehmend auch um gesellschaftliche und politische Themen.
Die YES!CON bündelt unsere Stimmen, unter dem Motto „Gemeinsam stark“. Hier setzen wir uns geschlossen für wichtige Rechte ein; wie das „Recht auf Vergessenwerden“ bei Versicherungen, den Schutz vor Diskriminierung im Beruf und eine bessere Betreuung im Alltag.
Diese wachsende Relevanz spiegelt sich auch in prominenter Unterstützung wider: Die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die durch ihre eigene Erkrankung maßgeblich zur Sichtbarkeit des Themas beigetragen hat, engagiert sich bereits seit Jahren als wichtige Fürsprecherin. Zudem unterstreicht die Bundesministerin für Gesundheit, Nina Warken, mit ihrer diesjährigen Schirmherrschaft für die YES!CON, dass die Anliegen von Erkrankten zunehmend Gehör in der Politik finden.
Die YES!CON 2026 hat bewiesen: Selbsthilfe ist eine unbezahlbare Ergänzung zu medizinischen Therapien. Sie hilft, bestmöglich mit den Herausforderungen einer Krebserkrankung umzugehen und das eigene Leben wieder aktiv mitzugestalten. Um diese wichtige Arbeit, die Beratungen und unsere Präsenz auf Veranstaltungen auch in Zukunft zu sichern, sind wir als ehrenamtliche auf Unterstützung angewiesen.
Ob du nun als von Hirntumor betroffene Person oder nahestehende Person deine Erfahrungen teilen oder eine neue Gruppe ins Leben rufen willst, oder ob du unsere Arbeit durch ein Sponsoring finanziell trägst: Mit deiner Unterstützung schenkst du Menschen in schweren Lebensphasen eine verlässliche Begleitung. Jeder Beitrag von dir hilft uns weiter.
Gemeinsam sorgen wir dafür, dass niemand die Diagnose Hirntumor alleine durchstehen muss.







